{"id":96,"date":"2023-12-16T21:20:42","date_gmt":"2023-12-16T20:20:42","guid":{"rendered":"https:\/\/schandschrift.de\/?p=96"},"modified":"2023-12-16T21:20:44","modified_gmt":"2023-12-16T20:20:44","slug":"einfach-etwas-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schandschrift.de\/?p=96","title":{"rendered":"Einfach etwas schreiben"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich sitze gerade im Zug Richtung Erfurt. Und weil man auf so langen Zugfahrten nicht so viel zu tun hat, lohnt es sich Zeit zu nehmen, um irgendwas zu tun. Oder auch nichts tun, das kann ja auch manchmal ganz erfrischend sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lese gerade an der Biografie von Haruki Murakami. Ehrlich gesagt, habe ich von ihm kein einziges Buch gelesen und hab auch sonst eigentlich nur von ihm geh\u00f6rt. Ich hatte auch ChatGPT mal zu ihm befragt, aber irgendwie sind Romane so schwer f\u00fcr mich. Nicht, weil es anstrengend oder so w\u00e4re, aber mittlerweile habe ich an jedem Text irgendwas auszusetzen und bin einfach zu bl\u00f6d daf\u00fcr, mich einfach zur\u00fcck zu lehnen und es einfach zu lesen. Wir leben schlie\u00dflich in einer Zeit, da ist so etwas selten. Also ich meine, f\u00fcr einige Stunden nur <em>eine<\/em> T\u00e4tigkeit auszuf\u00fchren und zu dem auch noch eine relativ reizarme.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich sind Geschichten ja nichts anderes als irgendwelche H\u00fcllen, die beim Lesen erst &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich beginne wieder einen Absatz, um etwas klarzustellen. Und ich glaube, das scheint wirklich ein Problem zu sein. Ich komme nicht auf den Punkt, weil ich immer wieder das Gef\u00fchl habe, nicht die richtigen Worte zu finden (im Kopf summt jetzt kurz Tim Bendzko mit seinem One-Hit-Wonder). Und vielleicht liegt es auch einfach daran, dass es keine &#8222;richtigen&#8220; Worte gibt, sondern Menschen dr\u00fccken sich aus und bei manchen klingt es halt eloquenter. Aber eloquent hei\u00dft halt nicht, so M\u00f6chtegernm\u00e4\u00dfig sich immer \u00fcbel korrekt auszudr\u00fccken, sondern halt, dass man so ein &#8222;gewisses Etwas&#8220; hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Murakami gab als einen Ratschlag, dass man einfach anfangen solle zu schreiben. Und ich kann mich auch recht entsinnen, dass ich diesen Ratschlag schon mehrmals geh\u00f6rt hatte. Denn schlie\u00dflich lernt man das Schreiben nur, wenn man es selbst praktiziert. Und das tue ich in letzter Zeit eher wenig.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich in letzter Zeit geschrieben hatte, dann waren das Briefe, die ich nicht abgeschickt hatte (das betrifft meine Ex-Freundin). Und die liegen zu Hause irgendwo rum und wenn ich das n\u00e4chste Mal den Brief lesen werde, werde ich vermutlich denken, was ich f\u00fcr ein dummer Trottel bin. Bei Briefen ist es n\u00e4mlich immer so, dass ich die nur schreibe, wenn mich etwas besonders bewegt. Und eigentlich bewegen mich Dinge immer nur, wenn ich in so einem trotteligen Zustand bin (denn wenn man mal kein Trottel ist und ganz n\u00fcchtern auf die Welt schaut, dann kann man machen was man will und das sollte ja nicht sein, sich in einem Brief \u00fcber Dinge das Gehirn zu zermartern, die man nicht \u00e4ndern kann und die einen auch nicht auf gute Gedanken bringen).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe vor kurzem wieder eine Idee f\u00fcr eine Kurzgeschichte bzw. sogar potentiell einen Roman ausgebr\u00fctet. Im Zug ist es echt anstrengend die zu schreiben, weil jetzt um die Weihnachtszeit besonders nervige Leute unterwegs sind (Gl\u00fchwein, Familien, weinende Kinder, man kennt&#8217;s). Aber man kann ja wenigstens einen Absatz schreiben. Und ich mache mir einfach ewig Gedanken, wie man das erste Setting machen kann. Also wo sollte die Geschichte beginnen, um sp\u00e4ter zu enden? Und dieses Wo ist so einen grobe Vorstellung, aber diese dann in schriftliches Material zu verwandeln, f\u00fchlt sich f\u00fcr mich manchmal so an, als w\u00fcrde dadurch der gesamte frische Charme verloren gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ein denkenswerter Gedanke in meinem Kopf springt, dann bin ich Feuer und Flamme mich auf meinen kleinen Vogel da oben zu st\u00fcrzen. Ich laufe hin und her durch die Wohnung ohne irgendein Ziel, aber jeder Schritt den ich laufe f\u00fchlt sich an, als w\u00fcrde ich immer mehr einer Entdeckung n\u00e4her kommen. Man schwafelt einfach lieber \u00fcber alles, was m\u00f6glich ist, und schreiben tut man nichts. Also Prokrastination.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es ist so eine eigenartige Prokrastination. Wenn ich musiziere, dann passiert das immer wieder abwechselnd. Also ich laufe dann sinnlos von einem Raum in den anderen und zur\u00fcck. Und das zehn Mal und dann spiele ich irgendeine Idee, die in meinem Kopf ist auf dem Klavier und freue mich \u00fcber das Ergebnis. Aber das w\u00e4re sehr unpraktisch, wenn man das f\u00fcr eine Geschichte machen muss, die halt nicht nur Improvisation ist (vermutlich kann ich deswegen auch nur freestylen und kaum richtige Musik zustande bringen). Aber wenn ich nicht sinnlos rumlaufe, werde ich nicht kreativ. Arrrrrgh.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zug kommt jeden Moment an. Ich hatte 20 Minuten vor der Ankunft und habe sie jetzt so genutzt. Es sind keine 10 Seiten t\u00e4glich (wie Murakami) vorschl\u00e4gt, aber ich bin ja auch paar Jahrzehnte j\u00fcnger. Je \u00e4lter man wird, desto mehr muss man machen, damit man den Eindruck vermittelt, dass man was geschafft hat. Daher belasse ich es jetzt. Neue Texte m\u00fcssen noch folgen, ciao.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sitze gerade im Zug Richtung Erfurt. 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