{"id":192,"date":"2025-02-02T21:42:51","date_gmt":"2025-02-02T20:42:51","guid":{"rendered":"https:\/\/schandschrift.de\/?p=192"},"modified":"2025-02-03T01:18:12","modified_gmt":"2025-02-03T00:18:12","slug":"ein-selbstgespraech-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schandschrift.de\/?p=192","title":{"rendered":"Ein Selbstgespr\u00e4ch #8"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute war ein merkw\u00fcrdiger Tag. Und merkw\u00fcrdig sind Tage nur, wenn sie nicht unseren Erwartungen entsprechen. Wenn man aber keine Erwartungen hat, dann gibt es keine merkw\u00fcrdigen Tage. Also folgere ich daraus, dass ich wohl sowas wie Erwartungen wohl besitze. Ich kann sie aber nicht so klar benennen, daher liegen sie irgendwo vergraben im Unbewussten. Ich kann aber zumindest versuchen, einige Thesen zu formulieren und je nach dem, ob diese f\u00fcr mich erbauend klingen oder nicht, kann ich ja zu einer Schlussfolgerung kommen. Wenn ich allerdings keine Worte finde, die sich \u201crichtig\u201d oder \u201cgut\u201d anf\u00fchlen, dann befinden wir uns wohl in einem orientierungslosen Zustand. Und sowas w\u00fcrde man im Allgemeinen wohl vermeiden wollen. Haben Sie Erwartungen an ihren Tag?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, mein Anspruch ist, dass ich halbwegs das Gef\u00fchl habe, dass ich mich und mein Leben unter Kontrolle habe. Und in letzter Zeit scheint mir dieses Gef\u00fchl vielleicht ein bisschen abhanden gekommen zu sein. Wenn man nun der These zustimmt, dass Menschen auch nichts anderes als Tiere sind, die mittels Trial-and-Error Wege finden, ihr Leben zu gestalten, dann ist diese Phase der Orientierungslosigkeit wohl eine Phase des Ausprobierens und Feststellens, ob etwas einem taugt oder nicht. Doch wenn der Trial-and-Error-Weg immer wieder in ein \u201cError\u201d verl\u00e4uft, dann erm\u00fcdet das irgendwann. Dies, das, jenes probieren und nicht zu einem Ergebnis zu kommen, ist frustrierend und ersch\u00f6pfend.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df auch gar nicht, ob es gerade etwas n\u00fctzt, dass ich das ausformuliere. Ich f\u00fchle mich gerade eigentlich \u00fcberhaupt nicht danach. Es ist 21:10 Uhr und ich w\u00fcrde gerne schlafen gehen. Aber wenn ich das jetzt tue, dann wache ich meiner Erfahrung nach um 4 Uhr morgens in der Nacht auf. Das habe ich \u00fcbrigens auch mittels Trial-and-Error herausgefunden. Die Alternative ist aber, dass ich in ein oder zwei Stunden wieder an dem Punkt bin, dass ich nicht mehr m\u00fcde genug f\u00fcr das Bett bin. Ich w\u00fcnschte, mein K\u00f6rper w\u00e4re p\u00fcnktlich um 22:30 Uhr m\u00fcde und geht dann automatisch ins Bett. Aber diesen Automatismus habe ich mir leider in meiner Jugend nicht angeeignet.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war nun heute so, dass ich mit einem dissoziierten Gef\u00fchl aufgewacht bin. Das tritt normalerweise auf, wenn man \u201cmit seinem Kopf ganz woanders\u201d ist. Ich war aber nicht \u201cwoanders\u201d, sondern in meinem K\u00f6rper. Ich habe gemerkt, dass heute der Tag bis zu dem Zeitpunkt, wo ich eine halbe Stunde vor der Bibliothek mir die sonnenbeleuchtete Stadtszenerie anschaute, irgendwie in 1,5-facher Geschwindigkeit ablief. Ich hatte fr\u00fcher schon mal die Beobachtung gemacht, dass ich bei leicht erh\u00f6hter Aufmerksamkeit steuern kann, \u201cwie schnell\u201d ich Musik wahrnehme. Es ist sehr witzig. Wenn ich mich stark auf ein Instrument konzentriere und die Konzentration ablasse, dann schwankt das Tempo in der Wahrnehmung. Heute war es allerdings so, dass ich gar keine Kontrolle mehr dar\u00fcber hatte. Und das hat sich wirklich merkw\u00fcrdig angef\u00fchlt, wenn man das nicht gewohnt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann also festhalten, dass ich wohl \u201cerwarte\u201d, dass die Welt um mir herum sich halbwegs stabil und gleich anf\u00fchlt. Dass das nicht immer so ist, das habe ich am Anfang des Jahres ja bereits durchlebt, als mich ein Verliebtheitsgef\u00fchl f\u00fcr zwei Wochen \u00fcbermannt hat. Es war allerdings so, dass ich mir dessen sehr bewusst war und es einfach \u201cunterlassen\u201d habe, dagegen zu steuern. Wenn man nicht so oft verliebt ist, dann ist es doch sch\u00f6n, die Hormone einfach ihre Arbeit erledigen zu lassen. Heute hingegen habe ich es \u00fcberhaupt nicht unterlassen, weil es sich auch nicht toll anf\u00fchlt, wenn man dissoziiert. Es hat nur nicht funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, ich habe heute einen Geschmack daf\u00fcr bekommen, wie sich Leute wohl f\u00fchlen, die ihre Emotionen und ihre Wahrnehmung nicht unter Kontrolle haben. Und mir ist das erste Mal aufgefallen, dass das wirklich schrecklich w\u00e4re, wenn ich jeden Tag so schnell erleben w\u00fcrde. Als w\u00fcrde alles rennen. Als m\u00fcsse man hinterherrennen. Stattdessen war es bei mir im Leben eher so, dass ich spazieren gehe. Ich habe mich selten gehetzt wie andere Leute, auch wenn man angesichts meiner Vita vielleicht einen anderen Eindruck hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher war das ja bei mir auch so, dass ich wenig Gesp\u00fcr f\u00fcr das Zeitgeschehen hatte. Deswegen habe ich die letzten Jahre \u2013 trotz des Drogeneinflusses \u2013 es trotzdem irgendwie geschafft, mir dessen bewusst zu werden und aktiv eine Balance herzustellen. Doch irgendwas scheint diese Balance geh\u00f6rig durcheinander gebracht zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sp\u00fcre einen aufkommenden Widerstand in mir. Vielleicht liegt es daran, dass ich meine Bachelorarbeit in zwei Wochen abgeben m\u00f6chte bzw. muss. Ich sehe es allerdings gar nicht so gestresst, weil es schlie\u00dflich nur irgendeine Arbeit f\u00fcr eine Papier-Qualifikation ist. Was mich eher in Unruhe versetzt, ist das, was danach kommt. Ich spreche bereits dar\u00fcber, dass mein Leben, welches ich bislang kenne, sich grundlegend ver\u00e4ndern wird. Es bereit mir keine Angst. Es bereitet mir trotzdem Unbehagen, obwohl ich eigentlich die meisten Vorkehrungen daf\u00fcr bereits getroffen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte mich verkriechen. Ich m\u00f6chte wieder kurz untertauchen. Ich habe sogar Lust, einfach wieder eine Woche lang durchzukiffen und dabei nur M\u00fcll zu machen. Aber das hatte ich ja bereits schon \u00fcber zwei bis drei Wochen in der Weihnachtszeit (da war ich allerdings \u201cverkrochen in der Menschenmasse\u201d). Und jetzt, einen Monat danach, schon wieder? Das klingt aber auch nicht richtig f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir fehlen die Worte. Vielleicht fehlt mir auch die Sonne und der Skatepark. Und auch ein klein wenig die Menschen aus Magdeburg, mit denen ich hier und da, dies das getan habe ohne einen weiteren l\u00e4ngeren Sinn dahinter zu erhaschen. Aber das f\u00fchlt sich auch falsch an. Und das ist ganz sch\u00f6n be\u00e4ngstigend, wenn man vor ein, zwei Wochen noch das Gef\u00fchl hatte, dass alles in Ordnung ist und pl\u00f6tzlich ist irgendwas v\u00f6llig anders. Und es fehlen einem die Worte daf\u00fcr. Es fehlt irgendein Fundament, welches das alles zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df auf jeden Fall, was mein Leben zusammenh\u00e4lt und gleichzeitig ist es so, als w\u00fcrde man zwanzig riesige Pakete mit ein paar Gitarrensaiten zusammenbinden wollen. Und vielleicht ist heute oder gestern oder die Tage eine Saite gerissen und das ganze Ger\u00fcst scheint allm\u00e4hlich umzukippen. Und dann hat man seine zwanzig riesigen Pakete da rumliegen und muss sich dann entschlie\u00dfen, die H\u00e4lfte davon wegzuschmei\u00dfen und dann mit zehn Paketen es zumindest probieren. Vielleicht ist das eine Mammutaufgabe, die nicht so gut durchdacht war. Im Nachhinein w\u00fcnschte ich mir manchmal, ich h\u00e4tte einfach irgendeine Sache nach der Schule angefangen und durchgezogen, sodass ich ein kompletter Fachidiot bin, der nur ein Paket zu tragen hat. Wenn man nur ein Paket tr\u00e4gt, dann kommt es zumindest sicher an.<\/p>\n\n\n\n<p>Naja. Dann bleibt es heute wohl dabei, dass ich etwas ratlos bin. Ratlos \u00fcber die heutige Merkw\u00fcrdigkeit. F\u00fchlt sich nicht gut an.<\/p>\n\n\n\n<p>EDIT (3 Stunden sp\u00e4ter): Ich bin f\u00fcr ungef\u00e4hr 1,5h eingeschlafen und wieder aufgewacht. Ich hatte auch einen merkw\u00fcrdigen Traum (Sie sehen, mir passieren st\u00e4ndig <em>unerwartete<\/em> Dinge). Ich wachte auf und habe mich ein wenig im Bett umhergew\u00e4lzt mit leicht s\u00e4uselnden Jazz-Melodie-Halluzinationen im Ohr. Pl\u00f6tzlich hat sich die Phrase &#8222;Somewhere In-Between&#8220; in meinem Kopf geformt und sie hat sich sehr treffend angef\u00fchlt. Es handelt sich um das <a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/album\/2ZM9VkZ1rsJsKgwW1V99Ju?si=8Svct_yhTceCMCuXh9XZSA\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/open.spotify.com\/album\/2ZM9VkZ1rsJsKgwW1V99Ju?si=8Svct_yhTceCMCuXh9XZSA\">gleichnamige Album von Eloise<\/a>. Es ist eigentlich ein Liebesalbum, aber da sie auch eine andere EP namens <em>This Thing Called Living<\/em> herausgebracht hat, kann man das auch als komplizierte Beziehung mit diesem merkw\u00fcrdigen Ding, das wir Leben nennen, beziehen. Mit diesem Musiktipp lege ich mich wieder zur Ruhe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute war ein merkw\u00fcrdiger Tag. Und merkw\u00fcrdig sind Tage nur, wenn sie nicht unseren Erwartungen entsprechen. Wenn man aber keine Erwartungen hat, dann gibt es keine merkw\u00fcrdigen Tage. Also folgere ich daraus, dass ich wohl sowas wie Erwartungen wohl besitze. Ich kann sie aber nicht so klar benennen, daher liegen sie irgendwo vergraben im Unbewussten. 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