{"id":172,"date":"2024-12-29T05:05:24","date_gmt":"2024-12-29T04:05:24","guid":{"rendered":"https:\/\/schandschrift.de\/?p=172"},"modified":"2024-12-29T05:05:26","modified_gmt":"2024-12-29T04:05:26","slug":"ein-selbstgespraech-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schandschrift.de\/?p=172","title":{"rendered":"Ein Selbstgespr\u00e4ch #5"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich m\u00f6chte mit Ihnen heute eine Einsch\u00e4tzung teilen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie \u201crichtig\u201d ist. Aber darum f\u00fchre ich gerne Gespr\u00e4che, um herauszufinden, ob ich richtig liege. Ich glaube an einen Existentialismus, der die unbedingte Freiheit jedes Einzelnen zur Pr\u00e4misse hat. Es ist nicht so, dass daran irgendwas \u201cwahr\u201d ist. Es gibt schlie\u00dflich auch Beispiele, wo Menschen das Gef\u00fchl haben, dass sie sich nicht aussuchen k\u00f6nnen, was sie denken oder tun. Dass sie glauben, dass ihnen Dinge widerfahren, wogegen sie machtlos sind. Aber daran <em>m\u00f6chte<\/em> ich nicht glauben, das widerspricht meinen ganz pers\u00f6nlichen Erfahrungen. Ich habe auch immer gesagt, es ist egal, ob ich wirklich frei bin oder nicht. Denn selbst, wenn alles von irgendwem oder irgendwas gesteuert wird, ich habe immer das Gef\u00fchl <em>als ob <\/em>ich alles selbst entscheiden kann. Und ich glaube, es erfordert sehr viel Mut, denn das bedeutet eben auch, dass man sich seiner ganzen Verantwortung f\u00fcr sich selbst bewusst wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wissen Sie, ob ich wirklich richtig liege, das merke ich daran, wie gut man mit seiner Umwelt resoniert. Ich habe schon meine gesamte Kindheit nach Konfrontation gesucht, ich war in st\u00e4ndiger Dysbalance mit den Menschen um mir herum. R\u00fcckblickend tut es mir manchmal Leid, dass ich so vielen Menschen vor den Kopf gesto\u00dfen habe. Aber gleichzeitig kann ich es nicht \u00e4ndern. Ich muss mich nun eben mit den Konsequenzen abfinden und daraus lernen, es besser zu machen. Und seit letztem Jahr, seit dem ich das erste Mal eine Beziehung gef\u00fchrt hatte, mit einer Frau, die mir alles bedeutete, brach eine Zeit an, in der Konfrontation nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme war. Denn das ist nat\u00fcrlich auch die andere Seite der Medaille: Dadurch, dass ich bereits den Gro\u00dfteil meines Lebens damit zubrachte Konfrontationen bewusst herbeizuf\u00fchren, kann ich auch zum Gro\u00dfteil der F\u00e4lle absch\u00e4tzen, wie man solche Konfrontationen vermeidet. Es wundert mich manchmal, dass ich selbst umgeben bin, von Menschen, die eine Menge schlimmer Sachen erlebt haben. Messerstecherei, Drogendelikte, Pr\u00fcgeleien, sexueller oder psychologischer Missbrauch. Ich wei\u00df nicht, ob es daran liegt, dass es Normalit\u00e4t ist, oder weil ich dies zu meiner Normalit\u00e4t gemacht habe, aber ich, obwohl ich mit so vielen Menschen Zeit verbringe, bin davon immer verschont geblieben. Ich glaube nicht unbedingt an Gott, aber da kommt mir manchmal das Gef\u00fchl, dass der gute Herr seine sch\u00fctzende Hand \u00fcber mich h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn man so gut mit seinem Umfeld im Einklang steht, dass Konfrontationen die Ausnahme statt die Regel sind, dann lernt man besonders viel nochmal \u00fcber sich selbst. Ich glaube, ich habe eine sehr hohe Resilienz gegen\u00fcber Stress (und ich sage immer <em>Stress macht man sich nur selbst<\/em>). Es ist daher wirklich selten, dass es mich \u00fcberkommt und ich die Fassung verliere und etwas b\u00f6se werde. In den letzten zwei Jahren kann ich mich eigentlich nur an zwei Ereignisse erinnern, in denen ich die Fassung verloren habe und meine Emotionen nicht z\u00fcgeln konnte. Davon m\u00f6chte ich Ihnen heute erz\u00e4hlen. Ich m\u00f6chte es Ihnen auch deshalb erz\u00e4hlen, als Erinnerung an mich selbst. Ich hatte fr\u00fcher mal ein Gespr\u00e4ch mit Henny gef\u00fchrt und ich hatte einen so sch\u00f6nen Aphorismus aus dem Nichts gesagt, ich h\u00e4tte ihn mal aufschreiben sollen. Er war in etwa so: \u201cWenn Menschen lernen, Mensch zu sein, lernen sie immer das Gleiche. Sie vergessen es nur immer wieder.\u201d Und manchmal vergesse ich einfach, was ich eigentlich schon l\u00e4ngst wei\u00df, es zeigt sich dann blo\u00df erst in den Konfrontationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Konfrontation war eine kurzweilige Bekanntschaft mit einer jungen Frau, der ich ein b\u00f6ses Unrecht getan habe. Wir hatten es f\u00fcr zwei Monate auch als Situationship gelabelt und eigentlich haben wir auch all die Dinge getan, die normale P\u00e4rchen miteinander tun. Aber ich bevorzuge es, Beziehung nicht nach einem Label zu vergeben. Aber wenn wir nach dem Offiziellen gehen, dann war ich in zwei Beziehungen. Inoffiziell w\u00e4re ich vielleicht in noch ein paar mehr gewesen. Nach einer sehr strengen Beziehungsdefinition war ich maximal in einer. Wenn ich \u00fcber meine Ex-Freundin rede, dann ist es eigentlich nur eine, wenn ich \u00fcber Ex-Geliebte rede, dann sind es zwei (und da muss ich nach normalen Sprachgebrauch auch sagen, dass die zweite eine Aff\u00e4re war). Aber gut. Ich habe dieses Jahr einer jungen Frau ein b\u00f6ses Unrecht getan, wie komme ich zu dieser Aussage?<\/p>\n\n\n\n<p>Wissen Sie, ich sage dies aus zweierlei Gr\u00fcnden: Zum einen war ich nicht bereit gewesen, eine neue Beziehung anzugehen. Es war keine zwei Monate nach der Trennung mit meiner Ex-Freundin als ich sie kennenlernte und es war einfach noch zu fr\u00fch. Ich habe all die Fehler nicht wiederholt, die ich in meiner vorigen Beziehung vermasselt hatte und das hei\u00dft, man macht mit einem M\u00e4dchen Dinge, die man eigentlich nur mit jemand machen sollte, den man wirklich liebt (ich rede hierbei nicht blo\u00df \u00fcber Sex). Vielleicht habe ich sie in diesem Sinne auch <em>geliebt<\/em>, denn was ist der Unterschied darin, jemand wertsch\u00e4tzend zu behandeln und zu behaupten, man liebe jemanden? Nach Erich Fromm sollte man ja nicht von Liebe sprechen, sondern vom Lieben als eine Art Kunst und F\u00e4higkeit. Und wenn man es sehr geschickt macht, dann kann man auch gar nicht mehr zwischen Lieben und Liebe unterscheiden. Sie sagte mir, dass ich das einzige w\u00e4re, was sie im Leben br\u00e4uchte. Und da ich es nicht erwidert habe, aber so mit ihr umgegangen bin, ist es wirklich ein b\u00f6ses Unrecht. Ich kann es aber auch nicht mehr \u00e4ndern. Ich kann zumindest versuchen, diesen letzten Fehler nicht mehr zu wiederholen \u2013 bis auf eine kurze Phase der Verliebtheit im Juli, habe ich mich auch nicht mehr mit irgendeiner Frau ernsthaft getroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Grund \u00fcber ein Unrecht zu sprechen ist, dass ich nicht nur zu gut mit ihr umgegangen war, ich bin auch nicht gut mit mir selbst umgegangen. Es war eine Zeit, da hatten wir beide eine Menge gekifft und das Merkw\u00fcrdige war auch, dass wir uns eigentlich nie wirklich n\u00fcchtern sahen und ich ihr dann vorwarf, dass sie ein schlechter Einfluss auf mich sei. Ich habe sie mit meiner Ex-Freundin oft verglichen, die nicht mal Alkohol trank und immer ein gro\u00dfes Vorbild f\u00fcr meine eigene Entwicklung war. Ein Leben zu f\u00fchren, im Bewusstsein, ohne den Einfluss k\u00fcnstlicher Substanzen (oh da f\u00e4llt mir ein, das einzige, was mir widerfuhr war ein dezenter Substanzmissbrauch, es scheint mir aber, dass das noch ein sehr humanes Widerfahrnis ist). Andererseits f\u00fchren viele ein Leben ohne den Einfluss k\u00fcnstlicher Substanzen, man kann nur nicht sagen, dass es bewusst ist. Aber nun ja. Ich habe ihr Sachen vorgeworfen, die auch selbstverschuldet waren. Und das ist eben das Schreckliche an der Sache: Ich habe mir wirklich wenig Gedanken um die Konsequenzen gemacht, die mit so einer Liebelei einhergehen. Ich habe einfach eine sch\u00f6ne Zeit mit ihr verbracht und tagein, tagaus getr\u00e4umt, um den Schmerz aus der Trennung zu verdr\u00e4ngen. Das ist doch ein b\u00f6ses Unrecht. Ich habe davon getr\u00e4umt, mein Leben hinter mir zu lassen und in eine wildfremde Stadt zu ziehen. Es w\u00e4re sogar eine Stadt im Westen gewesen! Und dazu noch eine besonders dreckige Stadt. Ich hab den Dreck in Magdeburg schon nicht gut ausgehalten (der s\u00fcdliche Teil Erfurts hat mich schon sehr verw\u00f6hnt), aber damals war ich sogar bereit, es in Erw\u00e4gung zu ziehen, \u201cf\u00fcr die Liebe\u201d sogar diese Anspr\u00fcche \u00fcber Bord zu werfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nun blo\u00df so, dass Lieben ein aktives Tun ist. Ich habe dieses idealistische Bild davon, dass eine <em>freie<\/em> Liebe zwischen zwei freien Menschen stattfindet, die sich aktiv und ohne Zwang daf\u00fcr entscheiden, eine besondere Verbindung einzugehen. Ich glaube, deswegen habe ich im Gegensatz zu vielen Menschen in meiner Generation \u00fcberhaupt kein Problem damit, zu heiraten. Schlie\u00dflich hat man Steuervorteile \u2013 andererseits ist Heirat, solange man es nicht blo\u00df macht, weil es andere auch tun, f\u00fcr mich ein wirkliches Bekenntnis dazu, dass man eine so schwerwiegende Entscheidung trifft, dass man gemeinsam zu Grabe getragen wird. Und solche weitreichenden Konsequenzen m\u00f6chten viele Menschen nicht treffen und da darf ich kurz einen Seufzer loswerden \u2013 meine Ex-Freundin wollte auch nicht heiraten. Es ist deswegen auch nicht so schlecht, dass sie sich von mir trennte, auf Dauer h\u00e4tte ich irgendwann einsehen m\u00fcssen, dass viele Dinge einfach nicht passten. So habe ich es zumindest nach der Trennung irgendwann eingesehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun kam zum b\u00f6sen Unrecht hinzu, dass ich die junge Frau telefonisch abservierte (nun ja, sie wohnte auch etwas weiter weg) und ihr auf allen Kan\u00e4len entfolgt bin und den Kontakt sehr schnell abgebrochen hatte. Es war f\u00fcr mich blo\u00df, weil ich mich selbst nicht ertragen konnte. Ich war ein b\u00f6ser Feigling. Mir wurde einfach vollends bewusst, dass ich mich auf eine Sache eingelassen hatte, die schwerwiegende Konsequenzen hatte. Und zwar, dass ich damals nicht \u00fcber meine Ex hinweg war und da eine Frau hineingezogen hatte, sie ganz verliebt machte und mir ein Leben ertr\u00e4umt hatte, dass ich vielleicht gehasst h\u00e4tte. Und alles das nur, weil ich mich einfach nicht mit der Tatsache auseinandersetzen wollte, dass \u2013 ich sage es mal n\u00fcchtern \u2013 mich manchmal Menschen nicht so stark m\u00f6gen, wie ich sie mag. Das geh\u00f6rt aber nun mal zum Leben dazu. Und auf der anderen Seite zu stehen, also dass man jemand ist, den andere voll toll finden, ist auch nicht gerade leicht. In dem Moment wurde mir auch bewusst, dass das eine extrem gro\u00dfe Verantwortung mit sich bringt. Und man muss mit den Konsequenzen leben. F\u00fcr mich sind diese Konsequenzen vermutlich gar nicht so schlimm \u2013 daher werfen Frauen das M\u00e4nnern auch zurecht vor, dass sie sie einfach abs\u00e4beln \u2013 aber ich kann es ihr ja nicht \u00fcbel nehmen, dass sie mir niemals verzeihen wird. Manchmal denke ich mir, es w\u00e4re auch eigentlich kein Problem, wenn wir uns liebten, sie m\u00fcsste sich nur dann damit abfinden, dass sie nach Erfurt kommen m\u00fcsste, Haus und Kinder haben will und sich von ihrem vorherigen Leben in ihrer Stadt verabschiedet \u2013 und auch die Konsequenzen, die damit einhergehen, ich w\u00fcrde aber bei Gott sowas von niemanden verlangen wollen, es m\u00fcsste dann ihre freie Entscheidung sein und ich glaube, das w\u00e4re es sicherlich nicht. Solche Geschichten passieren st\u00e4ndig in irgendwelchen Beziehungen, ich sehe es doch st\u00e4ndig auf der Stra\u00dfe, wenn Paare sich streiten. Aber auch wenn das ja offensichtlich ist und man daraus lernt, <em>man sollte es nie und nimmer vergessen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut, kommen wir nun zu der zweiten Konfrontation, die mir dieses Jahr widerfahren ist. Ich kann es hier zum Gl\u00fcck ein wenig k\u00fcrzer halten. Ich hatte mich damals mit meinem Mitbewohner verkracht und das ist insofern lustig, weil ich die gleiche Erfahrung mit meinem ersten Mitbewohner schon hatte, n\u00e4mlich dass Menschen \u2013 in diesem Fall M\u00e4nner \u2013 manchmal wirkliche Drecksschweine sind. Man muss sich nur halt ziemlich gut kennen. Bei meinem ersten Mitbewohner wusste ich es blo\u00df nicht besser. Es hatte dort ein Jahr gedauert, bis wir es schafften, den Abwasch zu regeln. Ich fand das f\u00fcrchterlich, dass er es nicht schaffte, einfach aus R\u00fccksicht <em>vor sich selbst<\/em>, f\u00fcr ein wenig Ordnung zu sorgen. Es ging mir auch nicht drum, dass es immer super duper ordentlich war, aber dass halt Geschirr in seinem Zimmer schimmelte, das fand ich schon sehr widerw\u00e4rtig. Aber heute k\u00f6nnen wir zum Gl\u00fcck dr\u00fcber lachen, auch dar\u00fcber, dass ich jemanden beibringen musste, wie man f\u00fcr etwas Ordnung sorgt \u2013 daf\u00fcr bot er mir Gelegenheit, zu lernen, wie man eigenwillige Menschen f\u00fchrt. Man sollte es also nicht allzu schlimm bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Lustige ist ja, dass ich aus dieser Erfahrung eigentlich gelernt haben sollte. Mein letzter Mitbewohner war aber eigentlich sehr ehrlich. Er meinte schon zum Einzug, dass er wirklich dreckig lebt und es sich vermutlich auch nicht gro\u00df \u00e4ndern wird, wenn ich einziehe. Tja, und wie es so kommt, ging das etwa ein halbes Jahr gut, bis ich irgendwann merkte, dass mich das doch ein bisschen zu doll st\u00f6rte. Tats\u00e4chlich hat es sich ein <em>bisschen<\/em> verbessert, aber es wird sich eben nicht <em>gro\u00df<\/em> ver\u00e4ndern. Genau, wie er ank\u00fcndigte. Aber meine anf\u00e4nglichen Erfolge machten mich \u00fcberm\u00fctig und ich glaubte, wenn man schon jemanden subtil dazu bringen kann, ein bisschen ordentlicher zu sein, dann geht das auch noch weiter. Irgendwann \u2013 ich hatte tats\u00e4chlich mal mein Stressresilienzlevel \u00fcberschritten \u2013 konnte ich nicht anders und warf ihm all die Sachen vor, die mich st\u00f6rten und es war auch nicht besonders nett gewesen, wie ich es kommunizierte. Ich war schon ein ziemlicher Arsch. Aber die Sache ist und das hat er mir zurecht vorgehalten, auch wenn man sowas nicht h\u00f6ren m\u00f6chte, ist, er hatte bereits zum Anfang des Einzugs ganz genau gesagt, dass er kein ordentlicher Mensch ist. Und da hat er auch richtig gesagt, dass es meine eigene Schuld ist, wenn ich mit den Konsequenzen nicht klarkomme und dass es letztlich meine freie Entscheidung war, in diese dreckige Wohnung zu ziehen. Ich zog nat\u00fcrlich aus anderen Gr\u00fcnden in die Wohnung ein und auch wenn wir einige Wochen kaum miteinander sprachen, hatte sich dann der \u201cStreit\u201d doch gelegt. Ich kann daher sehr gut verstehen, wenn Menschen gro\u00dfe Angst haben, irgendwelche Dinge zu tun, weil man viele Konsequenzen nicht immer gut absch\u00e4tzen kann, weil man sie sich sch\u00f6ner ertr\u00e4umt, als die Realit\u00e4t es zul\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist das nun auch der Grund, warum ich mich sehr bewusst f\u00fcr Erfurt <em>entscheide<\/em>. Fr\u00fcher konnte ich es nicht entscheiden, fr\u00fcher kannte ich nichts anderes. Ich h\u00e4tte mich trotz des Nichts-Anderes-Kennens f\u00fcr Erfurt entscheiden k\u00f6nnen. Und im Nachhinein denke ich mir, dass es vielleicht besser gewesen w\u00e4re. F\u00fcnf Jahre habe ich es verpasst, dort in der Gemeinschaft mitzuwirken, den Freundeskreis zu pflegen und mich um Dinge zu k\u00fcmmern, die wichtiger und dringender sind. Ich wusste es blo\u00df nicht besser und da m\u00f6chte ich Sie nochmal daran erinnern: Nehmen Sie es nicht zu ernst. Ich mache mir die Vorw\u00fcrfe blo\u00df zum Spa\u00df, aber letztlich glaube ich, dass ich, auch wenn ich es nicht <em>besser wusste<\/em>, damals meine Entscheidungen mit dem <em>besten Wissen<\/em><strong><em> <\/em><\/strong>getroffen habe, die ich als zarter, junger Bengel hatte. Aber Kinder sind nun mal sehr naiv und egal wie schlau man sich nun f\u00fchlt, man wird davon nie verschont bleiben, dass man irgendwann sagt, \u201cich h\u00e4tte es besser wissen m\u00fcssen\u201d. Man sollte sich blo\u00df immer mal wieder selbst erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich hoffe, die Gespr\u00e4che langweilen Sie nicht so doll. Es ist so ein wenig wie in der verhassten Philosophie: Die Menschen reden st\u00e4ndig \u00fcber die gleichen Sachen, weil sie glauben, dass sie wichtig seien. Ich rede st\u00e4ndig \u00fcber die gleichen Themen, was daf\u00fcr spricht, dass sie mir wichtig seien. Aber es geht eben auch darum, zu bewahren. Zu erinnern. Bis es einen aus den Ohren raush\u00e4ngt. Vielleicht werden das meine Kinder (ich tr\u00e4ume mal kurz) eines Tages lesen. Sie d\u00fcrfen sich auf jeden Fall \u00fcber einen bl\u00f6den Vater freuen, der immer wieder Dinge wiederholt. Ich glaube, man sollte nur nicht immer die gleichen Geschichten erz\u00e4hlen. Die Geschichten m\u00f6gen dann zwar unterschiedlich sein, aber es geht ja doch um die gleichen Themen, also Menschlichkeit, Liebe, Freiheit, und so weiter und so fort. Und \u2013 das hoffe ich zumindest \u2013 ich kann immer mal wieder eine andere Geschichte erz\u00e4hlen. Aber ich erinnere mich gerade an Bosses Partnerin: Sie hat es gehasst, dass ich st\u00e4ndig \u00fcber irgendwelche Frauen geredet hab. Aber eigentlich hat sie es gehasst, dass ich dar\u00fcber ja eigentlich nur \u00fcber mich selbst geredet habe und Bosse mir dabei auch noch zuh\u00f6rte. Vielleicht war sie ein klein wenig eifers\u00fcchtig, hihi. Man kann es ja eh nicht allen recht machen. Aber, das m\u00f6chte ich dagegen einwerfen, nur weil man es nicht allen recht machen kann, kann man ja zumindest versuchen, es 80% der Leute rechtzumachen (frei nach der Pareto-Regel). Ich w\u00fcnsche Ihnen eine gute Nacht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte mit Ihnen heute eine Einsch\u00e4tzung teilen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie \u201crichtig\u201d ist. Aber darum f\u00fchre ich gerne Gespr\u00e4che, um herauszufinden, ob ich richtig liege. Ich glaube an einen Existentialismus, der die unbedingte Freiheit jedes Einzelnen zur Pr\u00e4misse hat. Es ist nicht so, dass daran irgendwas \u201cwahr\u201d ist. 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