{"id":163,"date":"2024-12-16T03:21:25","date_gmt":"2024-12-16T02:21:25","guid":{"rendered":"https:\/\/schandschrift.de\/?p=163"},"modified":"2024-12-18T00:20:55","modified_gmt":"2024-12-17T23:20:55","slug":"ein-selbstgespraech-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schandschrift.de\/?p=163","title":{"rendered":"Ein Selbstgespr\u00e4ch #2"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich melde mich schon wieder bei Ihnen! Wenn man bedenkt, dass ich sonst im Schnitt alle zwei Monate etwas schreibe, ist das doch sehr verwunderlich. Ich glaube, das h\u00e4ngt damit zusammen, dass der letzte Beitrag wirklich erfrischend war und mir eine Menge Spa\u00df bereitete. Normalerweise habe ich eine gro\u00dfe Angst davor, etwas zu publizieren. Das h\u00e4ngt vermutlich damit zusammen, dass man irgendwie etwas von sich h\u00e4lt. Und wenn man etwas von sich h\u00e4lt, dann besteht nat\u00fcrlich die Scham, dass diese Haltung, die man ja doch an den Tag legt, vielleicht zerst\u00f6rt wird. Zudem gibt es noch so moderne Ph\u00e4nomene wie Cyber-Mobbing und ich habe eine lange Zeit gebraucht, um so eine Stabilit\u00e4t zu haben, dass ich mich dagegen wehren kann. Zuletzt schrieb ich mal einen Kommentar auf so ein Video von Orange Jungle und dort bewerteten Stra\u00dfenpassanten ihre eigenen Outfits. Ich schrieb &#8222;h\u00e4, die ersten drei tragen einfach nur schwarze Jacke und Jeans. ich check deren Selbstbewertung gar nicht&#8220; und einen Tag darauf kommentierte einer dieser jungen Menschen &#8222;NPC&#8220; unter eines meiner Videos. Und mir wurde das erste Mal bewusst, dass es mir nicht so viel ausmachte. Nicht, dass es mich nicht besch\u00e4ftigte, aber ich dachte mir sogleich &#8222;Aber du antwortest doch unter meinem Video und hast deinen eigenen Account auf privat, es scheint mir eher dass du doch der Nebendarsteller bist?&#8220;. Es geht ja auch nicht darum, sich gegenseitig runterzumachen, ich hab mir tats\u00e4chlich nicht so viel dabei gedacht, aber anscheinend ist den jungen Leuten doch sehr wichtig, was andere von ihnen halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde mich dabei selbst vermutlich nicht rausnehmen. Aber mir ist die Meinung der meisten Leute wirklich unwichtig. Es sind Menschen, die keine Ahnung haben, nur vor sich hinleben und wenn man mal sich anschaut, was sie im Leben treiben, dann wei\u00df man doch recht schnell, dass ihr Leben sehr austauschbar ist. Ich meine das nun auch nicht negativ, es ist eine sehr n\u00fcchterne Feststellung, dass sich viele gar keine Gedanken um ihre eigene Sterblichkeit und Einzigartigkeit machen. Und meine Wenigkeit hat sich mit so einem Irrsinn wie Nietzsche fr\u00fcher rumgetrieben und ich sch\u00e4tze, da Nietzsche ein so gro\u00dfer Polemiker war, habe ich daher auch eine unbewusste St\u00e4rke f\u00fcr intellektuelles Mobbing &#8211; da muss ich wirklich aufpassen, dass dieses sprachliche Raubtier sich nicht \u00fcbernimmt. Ich gebe mir sehr M\u00fche, diese Seite zu unterdr\u00fccken, da ich wei\u00df, dass keiner gerne h\u00f6rt, wie ungen\u00fcgend er ist. Andererseits bin sehe ich das ganz anders, ich h\u00f6re sehr gerne, wenn mir Leute etwas vorwerfen k\u00f6nnen. Viele wissen ja gar nicht so genau, was sie in ihrem Leben verbessern k\u00f6nnten und tats\u00e4chlich bin ich r\u00fcckblickend immer sehr dankbar f\u00fcr jene Menschen gewesen, die mir den Spiegel vorhielten und ihren Beitrag dazu leisteten, dass ich mir Gedanken darum mache, mich zum Positiven zu ver\u00e4ndern. Nur passiert das leider sehr selten, wir leben in einer Kultur, in der Fehler nicht gerne toleriert werden, in denen die Masse lieber irgendwelche schwachen Menschen beschimpft. Sie sollten sich lieber jemanden wie mich aussuchen und ich bin dann auch gewillt, mich auf einen lustigen Schlagabtausch einzulassen (leider ist meine Erfahrung, dass die wenigsten gerne einen Schlagabtausch mit mir haben &#8211; das macht die meisten Konversationen sehr nett, aber auch ein wenig langweilig).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe gestern mal meine Statistiken zu diesem Blog mir angeschaut. Wissen Sie, es gab einen Artikel, den ich auf Instagram geteilt habe. Dieser hatte im letzten Quartal f\u00fcnf Aufrufe. Die restlichen Artikel hatten nur einen Aufruf oder keinen. Mir ist schon immer bewusst gewesen, dass ich ein sehr unwichtiger Mensch bin. Andererseits bekomme ich immer wieder vermittelt, was f\u00fcr einen Eindruck ich auf Leute hinterlasse. Ist das nicht eine lustige Ironie? Anscheinend bringt das Eindruck-hinterlassen nichts ein als Ignoranz. Das ist ja das Besondere an Influencern: Sie hinterlassen eben <em>keinen bleibenden Eindruc<\/em>k, sondern sind einfach zu konsumieren und man vergisst sie sobald man sich der n\u00e4chsten T\u00e4tigkeit widmet. Bei mir ist es eben ganz anders, wenn man sich ein wenig mit mir unterh\u00e4lt, bleibt die Konversation f\u00fcr einige Tage h\u00e4ngen und die Leute haben schon gar keine Lust mehr, sich nochmal mit mir zu unterhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich frage mich manchmal, ob das nun ein Segen oder ein Fluch ist, dass ich meinen Platz in der Welt recht gut kenne. Ich wandle zwischen zwei Welten, zwischen einer Welt der geistigen Armut und einer Welt, die ihre geistige Art viel zu ernst nimmt. Ich hasse die gro\u00dfen Philosophen wie Kant, die glauben, dass sie irgendwas Ewiges begr\u00fcnden k\u00f6nnen und liebe gleichzeitig die Menschen, die auch wenn sie sich ihrer Rolle gar nicht bewusst sind, t\u00e4glich dazu beitragen, dass es in unserer Gesellschaft vorangeht. Und das ist doch eigenartig, diejenigen, mit denen ich mich am wenigsten verstehe, kenne ich am besten, und diejenigen, die mir am liebsten sind, kann ich nichts anbieten (am st\u00e4rksten wurde mir das bei meiner Ex-Freundin bewusst). Das k\u00f6nnte man schon fast als existentielle Ironie bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das ist wohl auch der Grund, warum ich ein einsames Dasein fristen muss. Es ist nicht wirklich einsam in dem Sinne, dass ich mich mit niemanden unterhalten kann. Es ist aber einsam in dem Sinne, dass mein bester Freund bislang ein leeres Blatt Papier ist. Das Gef\u00fchl ist unter Schriftstellern weit verbreitet, daher haben sie es auch immer wieder vollbracht, eine eigene Welt zu schaffen. Harry Potter, Der Hobbit oder Warcraft und das League of Legends Universum, das sind einige einfachere Beispiele. Die schwierigeren Beispiele sind so jemand wie Goethe, Rilke oder Brecht. Ganz schlimm ist Hesse. Wer einsam ist, dem bleibt nur das Schreiben oder die Stille. Und wenn ich mir irgendwann das Schreiben abgew\u00f6hne und mich der Stille widme, ist vieles gekonnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wissen Sie, das Schreiben ist eine Art Schutz. Wenn man st\u00e4ndig still ist, dann muss man sich dran gew\u00f6hnen, dass eben andere etwas \u00fcber einen sagen. Ich finde das ganz sch\u00f6n unfair, was mir alles schon angedichtet wurde. Ich sei intelligent, unkonventionell, launisch, entspannt oder was wei\u00df ich. Das sind doch alles Attribute, die man Menschen immer im Vergleich zur Gesellschaft zuschreibt. Ich muss den Leuten immer wieder erkl\u00e4ren, dass ich die Gesellschaft nicht als Ma\u00dfstab nehme, sondern mein eigenes Verhalten. Der Durchschnitt ist doch miserabel, die reichsten Menschen der Welt existieren nur, weil sie wissen, dass der durchschnittliche Mensch durchschnittliche Dinge erwartet und er diesen durchschnittlichen Dinge verkaufen kann. Ich wende mich aber immer an Menschen, die au\u00dfergew\u00f6hnlich sind und da es so selten au\u00dfergew\u00f6hnliche Menschen gibt, ist meine Zielgruppe sehr klein. Wirtschaftlich ist meine Ansicht also nicht. Aber ich bin trotzdem sehr zufrieden damit. Das Nervige ist blo\u00df, dass man sich st\u00e4ndig erkl\u00e4ren muss. Und darum ist Schreiben Selbstschutz!<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages k\u00f6nnte es sein, dass jemand auf diese Schriften trifft. Das ist doch insgeheim mein Traum. Es st\u00f6rt mich nicht, dass niemand meine Texte liest, aber ich w\u00fcnschte mir, dass es dann doch einige Wenige gibt, die irgendetwas davon mitnehmen und sei es auch nur ein Schmunzeln. Ich habe schon noch vor, einiges au\u00dferhalb des Schreibens zu bewegen. Aber egal, was ich bewege, die Menschen sollen wissen, dass ich es insgeheim alles ein wenig geplant habe. Dass ich mir sehr bewusst dar\u00fcber bin, was ich tue und dass meine innere St\u00e4rke aus diesen Schriften herr\u00fchrt. Dieser Blog wird in einem Monat 5 Jahre alt. Und eines Tages wird er 10 Jahre alt, 20 Jahre alt. Ich muss mich noch anstrengen, dass ich nicht blo\u00df schreibe, sondern auch umsetze. Und dann fangen Menschen in ihrer Midlife-Crisis meine Schriften zu lesen und vielleicht fassen sie es gar nicht, dass diese Bl\u00f6deleien von so einem merkw\u00fcrdigen Menschen Anfang 20 geschrieben worden sind. Vielleicht h\u00f6ren Sie doch ein kleines Bed\u00fcrfnis nach Anerkennung heraus. Man wird ja wohl noch tr\u00e4umen d\u00fcrfen! Die gr\u00f6\u00dfere Wahrscheinlichkeit, da bin ich mir sicher, ist, dass es nie jemand lesen wird. Schreiberlinge machen schlie\u00dflich blo\u00df ein Angebot. Und anders als die Werbeindustrie habe ich kein Bed\u00fcrfnis eine k\u00fcnstliche Nachfrage zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin nun doch ein wenig m\u00fcde. Ich habe tags\u00fcber zu viel ged\u00f6st und meine Decke ist erdr\u00fcckend warm. Ich schlafe doch schon blo\u00df in Unterhose. Ich w\u00fcnsche Ihnen ebenso eine gute Nacht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich melde mich schon wieder bei Ihnen! Wenn man bedenkt, dass ich sonst im Schnitt alle zwei Monate etwas schreibe, ist das doch sehr verwunderlich. Ich glaube, das h\u00e4ngt damit zusammen, dass der letzte Beitrag wirklich erfrischend war und mir eine Menge Spa\u00df bereitete. Normalerweise habe ich eine gro\u00dfe Angst davor, etwas zu publizieren. 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