{"id":161,"date":"2024-12-14T19:56:05","date_gmt":"2024-12-14T18:56:05","guid":{"rendered":"https:\/\/schandschrift.de\/?p=161"},"modified":"2024-12-18T00:22:47","modified_gmt":"2024-12-17T23:22:47","slug":"ein-selbstgespraech-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schandschrift.de\/?p=161","title":{"rendered":"Ein Selbstgespr\u00e4ch #1"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich m\u00f6chte Ihnen gerne einmal schreiben. Ich k\u00f6nnte auch dir schreiben, aber im Deutschen gibt es nicht ohne Grund eine f\u00f6rmliche Anrede wie Sie (im Italienischen gibt es sowas auch, da sagt man \u201cLei\u201d und dies ist gleichzeitig auch das weibliche Pronomen, ist es Zufall, dass die f\u00f6rmliche Anrede der Form des weiblichen Geschlechts gleicht?!). Im Englischen findet man diese Form der Anrede nicht, deswegen muss man wohl annehmen, dass die Engl\u00e4nder besser miteinander befreundet sind. Aber eine gewisse Distanz kann ja manchmal auch entlasten. Da muss man sich keine Sorgen machen, dass man einander zu nahe kommt. Und es hat auch einen gewissen Stil, wenn man \u201cSie Arschloch!\u201d ausruft, oder etwa nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin da leider etwas altbacken (und es ist auch gewiss kein Zufall, dass das Wort altbacken selbst nicht mehr sonderlich gebr\u00e4uchlich ist). Es erdet mich. Kennen Sie Heidegger? Sicherlich ein gro\u00dfer Denker gewesen, aber am Ende war er doch traurig, dass er seine gro\u00dfen Ideen in der Jugend am Ende doch vergraben musste. Das hat das Alter wohl an sich. Wenn man einmal in den Genuss kommt, wirklich falsch zu liegen, da vergisst man diese Erfahrung nie wieder und erinnert sich doch immer wieder an seine Dummheit. Vielleicht wissen Sie nicht so genau, was ich meine, aber dann empfehle ich Ihnen, sich mal eine kluge Frau zu suchen. Ich wei\u00df nicht so genau, woran es liegt, aber aus irgendeinem Grund wurden meine gr\u00f6\u00dften Fehler immer von Frauen offen gelegt. Denn M\u00e4nner (ich k\u00f6nnte hier auch Menschen sagen, aber f\u00fcr dieses Zeitalter ist es vielleicht noch zu fr\u00fch) haben nun mal die Angewohnheit, sich gegenseitig nicht so doll zu kritisieren. Sie haben schlie\u00dflich in 9 von 10 F\u00e4llen auch nicht vor, jemanden ihr Leben lang an einen zu binden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun denn, ich bin irgendwie ein sehr arroganter Mensch. Das liegt daran, dass ich es mir angewohnt habe, immer danach zu schauen, was man verbessern kann. Es ist eine durchaus schlechte Angewohnheit, denn das macht einen besonders anstrengend und durch seine Besserwisserei eben arrogant. Andererseits w\u00fcrde Nietzsche sagen, dass Arroganz blo\u00df ein Ausdruck der Sklavenmoral sei, dass \u201cschwache\u201d Menschen sich solche Ausdr\u00fccke ausdenken, damit die \u201cStarken\u201d nicht glauben, sich alles erlauben zu k\u00f6nnen. Ich glaube, ich habe mir schon zu vieles im Leben erlaubt und aus irgendeinem unerfindlichen Grund, scheint es den meisten Menschen nicht mal aufzufallen. Vielleicht habe ich einfach Gl\u00fcck im Leben. Haben Sie auch das Gef\u00fchl, dass sie sehr viel Gl\u00fcck im Leben haben?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich immer von Thema zu Thema springe, tut es mir sehr Leid. Verzeihen Sie mir bitte diese schlechte Angewohnheit. Zu meiner Verteidigung: Ich habe vorhin gekotzt, nachdem ich ein wenig Alkohol w\u00e4hrend und nach einem kleinen Schnellschachturnier trank und nachdem ich durch die Stadt gefahren wurde, dachte ich mir, dass es sinnvoll sei, ein paar Zeilen zu schreiben. Denn eigentlich m\u00fcsste ich mich um meine Abschlussarbeit k\u00fcmmern. Aber weil mir an meinem Studium herzlich wenig liegt, schiebe ich das immer mal wieder auf. Vielleicht kennen Sie das. Dinge die man aufschiebt, h\u00e4lt man nicht f\u00fcr wichtig, sonst w\u00fcrde man sie nicht aufschieben. Und gerade in diesem Moment scheint es mir lieber, ich schreibe im Stile Bukowski einige geistlose Zeilen (denn wie Sie vielleicht wissen, konnte er nur so lustig schreiben, weil er immer mindestens eine Flasche Wein trank).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema der Arbeit, um die ich mich sorge (aber auch nicht wirklich) ist das Gespr\u00e4ch. Ja, Gespr\u00e4che begegnen uns \u00fcberall. Und es geht darum, dass man <em>etwas zu sagen <\/em>hat. Es muss gar nicht geistreich sein, aber vielleicht gibt es ab und an einen interessanten Gedanken, \u00fcber den Sie vielleicht schmunzeln oder nachdenken k\u00f6nnen. Denn genau das macht ein Gespr\u00e4ch aus. Ganz anders verh\u00e4lt es sich mit einem <em>Diskurs<\/em> oder einer <em>Debatte<\/em>. Davon habe ich schon die Nase voll, denn da reden Menschen und versuchen sich dabei immer zu rechtfertigen (und Philosophen, die sich f\u00fcr besonders wichtig halten, nennen es begr\u00fcnden). Und derjenige, der sich besser rechtfertigen kann, hat dann einen inoffiziellen Masturbationswettstreit gewonnen (entschuldigen Sie bitte diese profane Aussage, aber dieses treffende Zitat von Wittgenstein \u201cPhilosophie ist geistiges Masturbieren\u201d kann ich einfach nicht vergessen). Und wenn man einem Philosophen oder jemanden, der glaubt etwas <em>Wichtiges<\/em> zu sagen, so etwas vorh\u00e4lt, dann beginnt er gerne sich wieder zu rechtfertigen. Aber ich m\u00f6chte einfach mal \u00fcben, eben so ein Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren, wo man <em>etwas<\/em> sagt, einfach weil Menschen sich manchmal gerne mitteilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn ich Sie verwirre, tut es mir ebenso Leid. Ich m\u00f6chte deswegen sagen, dass Sie das Gesagte nicht so ernst nehmen sollen. Aber wenn Sie m\u00f6chten, <em>k\u00f6nnen<\/em> Sie es ernst nehmen. Ich war ja bislang blo\u00df in zwei Beziehungen, die man offiziell so bezeichnen m\u00f6chte. Die erste Frau meinte zum Ende, ich nehme das Leben nicht ernst genug. Und die zweite warf mir vor, dass sie jemanden wolle, der nicht so ernst an das Leben herangeht und lustig sei. Das ist doch eigenartig, wenn einem das Entgegengesetzte vorgeworfen wird und man selbst ist sich dann nur unsicher, was denn nun zutreffe. Deswegen sage ich Ihnen, h\u00f6ren Sie mir bitte einfach nur zu und wenn Sie denken, dass da etwas N\u00fctzliches dabei ist, dann nehmen Sie es gerne ernst. Andernfalls ist es vermutlich besser, wenn wir uns darauf einigen, dass es einfach nur eine Bl\u00f6delei ist. Das einzige, wonach mir schwebt, ist ein <em>freundliches<\/em> Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren. Und wenn Sie glauben, dass ich vielleicht doch unfreundlich bin, dann kann ich Ihre Ansicht wohl kaum \u00e4ndern. Zumindest ist das meine Erfahrung, ich bin seit langer Zeit keinem wirklich unfreundlichen Menschen begegnet (und meine gesch\u00e4tzten Freunde wissen, dass ich sehr vielen Menschen begegne). Ich glaube nicht, dass es daran lag, dass ich so viel Gl\u00fcck hatte, sondern weil ich einfach denke, dass jeder gewillt ist, ein freundliches Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren (auch wenn die meisten mir gerne etwas anderes unterstellen wollen).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich halte mich aber auch sehr h\u00e4ufig zur\u00fcck. Die ganze Welt um einen herum m\u00f6chte Aufmerksamkeit haben. Also zumindest in den meisten F\u00e4llen. Das liegt daran, dass man doch st\u00e4ndig konditioniert wird, direkt auf irgendwas oder irgendwen zu reagieren. Besch\u00e4ftigen Sie sich einmal ein bisschen mit Marketing, dann wissen Sie, wie wichtig es ist, Menschen emotional aufzufordern und sie aufzufordern, dass sie doch bitte folgen oder kommentieren sollen (das nennt sich Call-To-Action). Und das l\u00e4sst sich gewisserma\u00dfen auch neurologisch erkl\u00e4ren. Denn wenn Menschen denken, dass nur sie gemeint sind, dass man unbedingt ihre Meinung h\u00f6ren m\u00f6chte, dann f\u00fchlen sie sich besonders wichtig und glauben, dass sie wirklich etwas zu sagen h\u00e4tten. Aber das ist meistens eine L\u00fcge, denn eigentlich geht es nur um Geld oder ein kleines Gef\u00fchl von Best\u00e4tigung. Ich m\u00f6chte Sie nicht auffordern, irgendetwas zu antworten oder zu schreiben oder irgendetwas zu tun, damit Sie denken, dass damit irgendwem geholfen w\u00e4re. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und ich glaube fest daran, dass wenn jemand wirklich <em>etwas zu sagen hat<\/em>, also <em>ein Gespr\u00e4ch f\u00fchren m\u00f6chte<\/em>, dann tut er dies auch so. Aber wenn jemand blo\u00df partizipiert, damit er sich einer Gemeinschaft zugeh\u00f6rig f\u00fchlt, damit er nicht ganz so allein ist, dann habe ich auch keine Lust mehr an diesem Gespr\u00e4ch. Es ist dann auch nicht wirklich ein Gespr\u00e4ch, sondern eher <em>Tratsch<\/em> oder <em>Kitsch<\/em>. Gespr\u00e4che aber sollten gef\u00fchrt werden, weil Menschen einander so wertsch\u00e4tzen, dass sie miteinander herumbl\u00f6deln und manchmal nehmen sie sich einander ernst und manchmal nicht. Aber wenn irgendwer aus dem Internet an eine fremde, gesichtslose Person schreibt, dann ist das ja nicht, weil er ernsthaft an <em>einer<\/em> Person interessiert ist, sondern an <em>irgendeiner<\/em>. Und das finde ich doch irgendwie ein klein wenig traurig, andererseits auch am\u00fcsant.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich kurz bei diesem Gedanken verweile, dann muss ich daran denken, dass wir in der Weihnachtszeit sind. Genie\u00dfen Sie diese genauso wie ich? Ich hasse den Winter, aber ich mag den Gedanken, dass Freunde und Familie sich einander wieder auf die Nerven gehen. Menschen, die damit nichts zu tun haben wollen, glauben ja immer, dass sie irgendetwas Wichtigeres zu tun h\u00e4tten. Zeit ist kostbar und so. Aber vielleicht ist die Wahrheit, dass sie nicht Wichtigeres zu tun h\u00e4tten, sondern dass sie sich f\u00fcr <em>wichtiger halten<\/em> (ich glaube, das ist bei mir auch manchmal der Fall, andererseits fragt mich wirklich selten jemand, ob ich ihm Gesellschaft leiste, daher kann ich getrost annehmen, dass ich auch nicht besonders wichtig bin). Ich freue mich auf jeden Fall, dass demn\u00e4chst einige Leute vor der T\u00fcr stehen, mit denen ich Gespr\u00e4che f\u00fchren kann (ich habe ihnen schon alle geschrieben, das sind Ele, Riwi, Jonas und Charlodde). Ich wei\u00df auch gar nicht, ob ihnen die Gespr\u00e4che genauso viel Freude bereiten wie mir \u2013 aber ich glaube schon, denn alle habe innerhalb eines Tages geantwortet. Und ich sehe auch meine Drosselberg-Atzen, das wird ein Fest, auch wenn ich manchmal besch\u00e4mt bin, dass ich selbst nicht mehr so atzig bin. Falls ich jemanden vergessen habe, dann tut es mir sehr Leid (und Bosse und Anni lasse ich mal au\u00dfen vor, weil sie beide nicht aus Erfurt kommen). Ich finde es schon schwierig, sowas wie Priorit\u00e4ten einr\u00e4umen zu m\u00fcssen. Kennen Sie das? Sie haben schlie\u00dflich nicht unendlich viel Zeit und dann m\u00fcssen Sie eben sagen, ich verbringe ein gutes Gespr\u00e4ch an einem Tag mit dieser oder jener Person. Man w\u00fcrde sich gerne aufteilen. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert (als ich j\u00fcnger war, habe ich diesen Spruch gehasst \u2013 weil er seine Berechtigung hat, aber davon will man ja immer nichts h\u00f6ren). Und meine Vergangenheit hat mir gezeigt, dass wenn jemand wirklich Interesse an mir hat, dann meldet er oder sie sich auch so. Aber ich glaube, die meisten finden mich einfach nur sehr merkw\u00fcrdig und wissen gar nicht, was sie von mir halten sollen. Und das finde ich tats\u00e4chlich gar nicht so unangenehm.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut. Wissen Sie, ich habe mich gestern irgendwie etwas traurig gef\u00fchlt. Und seitdem ich Magdeburg verlassen habe, war das eigentlich nur zwei Mal gewesen, deswegen fragt man sich dann immer besonders, wieso das denn so sei. Ich glaube, der erste Grund ist Alkohol \u2013 das bringt einfach den K\u00f6rperhaushalt durcheinander, aber weil es die gesellschaftliche Praxis nun mal so fordert, muss ich mich schon mal auf die Weihnachtszeit vorbereiten. Der zweite Grund ist Langeweile. Ich hatte in den letzten zwei Wochen sicherlich so um die 80-90h an Projekten gearbeitet (ich habe z. B. einen halbwegs funktionierenden Trading-Bot programmiert). Wenn man so viel Freude daran hat, dass man etwas schafft, dann ist die Leere danach doch umso betr\u00fcbsamer (aber eigentlich habe ich mich nur <em>ein bisschen<\/em> traurig gef\u00fchlt, aber es f\u00fchlte sich eben nach <em>ein bisschen mehr<\/em> an). Und in solchen Momenten kommt man dann auf dumme Gedanken, weil man seine Traurigkeit rechtfertigen m\u00f6chte. Gestern waren solche Gedanken wegen Frauen. Eigentlich bin ich gar nicht in der Verfassung, irgendwen kennenzulernen (denn ich w\u00fcrde schon gerne wieder einen Job haben statt an so einer unliebsamen Abschlussarbeit zu arbeiten), aber dadurch dass ich zwangsweise durch meine Hobbies immer mal wieder auf irgendwelche Frauen treffe, kommt man aus langer Weile auf die Idee, sich vorzustellen, man w\u00fcrde mit ihnen unanst\u00e4ndige Dinge treiben.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4nner (und hier w\u00e4re Menschen vielleicht doch angebrachter) sind doch einfach gestrickt. Man zieht sich einfach etwas Anst\u00e4ndiges an, arbeitet daran, etwas in der Welt zu verbessern (weil sowas Selbstvertrauen gibt) und wenn man sich noch geschmeidig bewegen kann und bisschen l\u00e4chelt, dann schaut man unweigerlich pl\u00f6tzlich einer anst\u00e4ndigen Frau in die Augen. Und wenn sie dann auch noch zur\u00fcckl\u00e4chelt, ja dann ist die halbe Miete schon eingenommen und man kann sich schon darauf freuen, ein heiteres Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren. Und wenn das dann gut l\u00e4uft, ja dann hat man sich auch schon halb verliebt. Sich verlieben ist kein Hexenwerk, es braucht da nicht viele Zutaten. Und leider laufen mir einfach immer wieder solcher Frauen \u00fcber den Weg und ich muss mich dann schon immer anstrengen, diese zu vergessen. Sabrina Carpenter hat dar\u00fcber so ein einpr\u00e4gsames Lied geschreiben: \u201c<em>[S]he\u2019s good for my heart but [s]he\u2019s bad for business<\/em>.\u201d Es fiel mir schon immer viel einfacher, sich in irgendwelchen Tagtr\u00e4umen zu versenken, als sich der Realit\u00e4t und den Sachen zu widmen, die ich zu erledigen habe. Ich glaube, das wollte ich Ihnen einfach mitteilen, nicht weil es so wichtig w\u00e4re, sondern weil ich mich nur selbst erinnern wollte. Vergessen Sie nicht, nehmen Sie es nicht zu ernst.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich vor zwei Wochen einen Ausflug nach Magdeburg gemacht hatte, sprach ich mit einer jungen Frau aus der N\u00e4he von Stuttgart. Ich las etwas zu Rortys Spiegel der Natur und sie sa\u00df auf der anderen Seite des Gangs neben irgendjemanden. Der Zug war recht voll, doch ich hatte mal einen Blick r\u00fcbergeworfen und sie hatte eine sehr ernste Mine gehabt, doch als sich unsere Blicke trafen, hatte sie ganz kurz gegrinst (ich glaube, sie wollte nicht grinsen, aber sie konnte es nicht unterlassen \u2013 Menschen sind halt einfach gestrickt, wie ich sagte). Als wir bei Sangerhausen waren, stiegen zwei B\u00e4nke hinter mir zwei Leute aus und sie setzte sich alleine auf diese Zweierbank. Gleichzeitig stiegen mehrere Menschen ein und w\u00e4hrend sich mir gegen\u00fcber ein Araber (ich will nur vermitteln, dass Sie sich einen Stereotyp vorstellen k\u00f6nnen, denn er sah sehr stereotypisch aus) mit einer Vodka-Bull-Dose setzte, bekam ich Kopfschmerzen (unter anderem auch von der anstrengenden Lekt\u00fcre) und beschloss zwei Stationen sp\u00e4ter die Viererbank zu verlassen und ihr mal zu gr\u00fc\u00dfen. Sie hatte sich sehr gefreut, ein bisschen zu plaudern, denn sie musste schon einige St\u00fcndchen in schlecht bel\u00fcfteten Regionalz\u00fcgen verbringen und nach kurzer Zeit kamen wir auf Gott zu sprechen und sie zeigte mir einen ihrer \u201conly jesus\u201d-Instagram-Posts. Bitte lachen Sie nicht. Sie war ja doch eine recht normale junge Frau, zumindest \u00e4u\u00dferlich. Doch meistens haben die Frauen (und generell Menschen) irgendwelche Vorlieben, mit denen sie sonst sehr vorsichtig umgehen, weil sie wissen, dass andere Menschen wom\u00f6glich dar\u00fcber lachen. Deswegen machen es die meisten so, dass sie so ganz unauff\u00e4llig einige Stichw\u00f6rter in ihren Reden platzieren, die so subtil auf ihre Herzensthemen hinweisen, da sie wissen, dass nur \u201cEingeweihte\u201d diese Verweise kennen. Gl\u00fccklicherweise habe ich schon so viel Unsinn getrieben, dass ich so etwas meistens sehr schnell erkenne und schwupps waren wir bei Gott angelangt. Ich muss aber auch sagen, dass ich das Thema sehr spannend finde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe diese Geschichte aber eigentlich nur so erz\u00e4hlt, gar nicht wegen Gott, sondern weil ich einfach eine Geschichte erz\u00e4hlen wollte. Aber einen interessanten Gedanken hatte sie mir mitgegeben: Sie hat so eine App, die einen durch die Bibel begleitet und jeden morgen liest sie dann 12 Verse aus der Bibel, geht in den Wald und redet mit Jesus eine Stunde dar\u00fcber. Sie f\u00fchrt ein Gespr\u00e4ch mit dem Herrn und f\u00e4ngt an sich mit ihm auszutauschen. Sie stellt Fragen und wartet auf eine Antwort und diese Antwort kommt dann meist von alleine. Mit einer Menge Kraft (ja, sie hat das ganze Gespr\u00e4ch \u00fcber gestrahlt). An diesem Tag war es ja so, dass sie nicht in den Wald gehen konnte und stattdessen den Zug nahm. Also gab es zum Ersatz (es war au\u00dferdem Sonntag) eine Predigt auf Spotify. Schon interessant, was Menschen so treiben, finden Sie nicht? Ich glaube, wenn ich hier ein imagin\u00e4res Gespr\u00e4ch f\u00fchre, dann ist es so \u00e4hnlich, wie wenn sie mit Gott und Jesus spricht. Sie glaubt nat\u00fcrlich daran und f\u00fcr sie ist das sehr real; aber ich glaube, es ist etwas einfacher, wenn man einfach mit sich selbst spricht. Oder wenn ich mit Ihnen spreche, so als w\u00e4ren Sie Jesus. Und in diesem Sinne halte ich Gott auch f\u00fcr sehr real, denn egal, was er denn nun sei (man soll sich ja kein Bild machen), sein Wirken ist real. Ich will hier aber auch nicht f\u00fcr oder gegen Gott sprechen, es geht mir nur darum, dass ich es doch sehr witzig fand, wie schnell der Plausch in ein <em>freundliches Gespr\u00e4ch <\/em>\u00fcberging, in denen wir beide wertsch\u00e4tzend einander zugeh\u00f6rt hatten \u2013 andererseits muss ich auch sagen, dass sie glaubte, dass Gott mich zu ihr gef\u00fchrt hatte, was ich fast auch schon glaube. Nun ja, wir haben keinen Kontakt, aber irgendwie ist doch immer etwas Magisches dabei, wenn diese Geschichte im Kopf bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie lesen nun schon einige Min\u00fctchen und ich hoffe, Sie sind w\u00e4hrenddessen nicht eingenickt. Ich hoffe, dass Sie dieses Gespr\u00e4ch mehr interessiert hat als ein YouTube-Video oder f\u00fcnf TikTok-Videos (denn wenn Sie so einen Schmarrn lesen, dann steht dieser meistens zu so etwas in Konkurrenz). Wenn mir das n\u00e4chste Mal so ein Unsinn im Kopf umherschwebt, schreibe ich Ihnen nochmal, ist das f\u00fcr Sie in Ordnung? Ich m\u00f6chte meine Mitmenschen nicht unn\u00f6tig bel\u00e4stigen. Mich fragt ja auch selten jemand. Bosse hatte da eine sehr einfache, aber ausgefuchste Art, wenn er wieder seinen Unsinn in die Welt hinausblies und ich nur marginal antwortete: Er fing an, kurz zu schweigen, mich mit einem halbernsten L\u00e4cheln anzuschauen und fragte \u201cNa, was denkst du gerade?\u201d \u2013 und meistens habe ich erst dann so einen Schabernack wie hier erz\u00e4hlt (aber man muss gegen ihn auch sagen, dass er dann nach paar Minuten es nicht aushalten konnte und einem wieder ins Wort fiel, aber es waren trotzdem sehr unterhaltsame Gespr\u00e4che).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte Ihnen gerne einmal schreiben. Ich k\u00f6nnte auch dir schreiben, aber im Deutschen gibt es nicht ohne Grund eine f\u00f6rmliche Anrede wie Sie (im Italienischen gibt es sowas auch, da sagt man \u201cLei\u201d und dies ist gleichzeitig auch das weibliche Pronomen, ist es Zufall, dass die f\u00f6rmliche Anrede der Form des weiblichen Geschlechts gleicht?!). 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